Freitag, 26. September 2014

Eine Begegnung mit dem inneren kleinen Kind ...

Vor einigen Tagen habe ich hier schon mal erklärende Gedanken niedergeschrieben zum Thema "Das Kind in Dir" - hier gehts zu diesem älteren Beitrag

Heute möchte ich ein Beispiel weitergeben aus der Praxis, auf welche Art und Weise sich dieses innere Kind meldet und Aufmerksamkeit sowie Heilung erfahren möchte:

Anna sitzt als erwachsene Frau in einem Malkurs. In diesem Malkurs geht es ihr weniger darum, irgendwelche Gegenstände naturgetreu nachmalen zu können, sondern sie möchte ein wenig über die Techniken des Malens erfahren, in diesem Malkurs wird mit Pastellkreide gemalt, und dann einfach zu Papier bringen, was da fließen möchte... Sie kommuniziert dies auch in der Vorstellungsrunde ganz offen. Anna hat in der Schule die üblichen Kindheitserfahrungen gemacht. Beispielsweise im Kunstunterricht ganz stolz ein Bild gemalt, sie fand es eigentlich wunderschön. Es entsprach jedoch nicht den Vorstellungen der Lehrerin und daher gab es eine Note 4. Anna war natürlich enttäuscht, machte in der Schulzeit noch weitere ähnliche Erfahrungen und so setzte sich natürlich die Prägung in ihr fest "Ich kann nicht malen!". Dennoch fühlt sie sich ein wenig zur Malerei hingezogen, traut sich aber nicht, dies wirklich umzusetzen. Schließlich hat sie in der Schule dafür ja keine super guten Noten erhalten .... Zurück zur heutigen erwachsenen Anna: Die Kursleiterin in besagtem Kurs erwähnt schließlich, sie habe etwas mitgebracht, was sich gerade für Anfänger ganz gut eignet zum Malen, nimmt eine Tüte in die Hand, Anna ist ganz neugierig, was dies wohl ist ... Es sind Paprika. Die sollen sich gut dazu eigenen für Anfänger zum Nachmalen ... Oje .... Anna merkt wie ihr etwas mulmig zu Mute wird, wie sie unmutig wird...., auch ganz tief im inneren ein wenig trotzig wird, da kommen Gedanken in ihr auf wie "das kann ich nicht malen", "das will ich auch nicht malen," ... und ihr ist fast zum Weinen zu Mute .... Anna beobachtet diese Gedanken während die dennoch versucht, etwas zu Papier zu bringen .... 

Diese Gedanken und Gefühle,  die Anna beobachtet sind nichts anderes als abgespeicherte Gefühle und Gedanken aus der Kindheit - mit anderen Worten ausgedrückt: Ihr inneres kleines Kind meldet sich hier zu Wort!!!

Anna wirft inzwischen Blicke auf die umliegenden Blöcke und wird ganz neidisch, was da zu Papier gebracht wird - Paprika in fantastischen Farben und Schattierungen ..... Sie beobachtet wieder die Gefühle und Gedanken, die da noch in ihr toben aus der Kindheit... Sie ist jedoch ganz in der Beobachterolle - sie ist sich bewusst dass sie jetzt als erwachsene Frau Kontakt hat mit dem kleinen Kind aus der Schulzeit - sie fragt sich im Stillen: Was will ich wirklichh in dieser Situation: Trotzig sein, Weinen, den Kurs verlassen ... Nein! Ich bin dankbar, dass sich mein inneres Kind zu Wort gemeldet hat, nehme es in Gedanken ganz liebevoll in den Arm, schmunzele als erwachsene Frau auch ein wenig über diese Prägungen aus der Kinderstube und die erwachsenene Anna trifft eine Entscheidung:
Ich bleibe in diesem Kurs, bin dankbar, die Kindheitserfahrungen in diesem Bereich auf diese Weise zu heilen (Gefühle wollen gefühlt werden) - ich bin auch neugierig, was sich da in meinem inneren so noch alles zeigt, was gefühlt werden möchte, um zu heilen und ich muss nichts nachmalen, ich darf mir hier erlauben, das auf dem Blatt Papier entstehen zu lassen, was entstehen möchte, ganz in meinem eigenen Stil...
Und schon macht es Freude da zu sein, zu genießen die Runde in der sie ist, Spaß zu haben am Malen und Spaß zu haben mit den anderen Teilnehmern...

Da Anna diese Gedanken und Gefühle in der Beobachterolle der heute erwachsenen Frau einfach nur wahrgenommen (eben beobachtet) hat und so diese Gefühle noch einmal gefühlt hat, ist es ihr nun gelungen

  • Die Prägung aus der damaligen Schulzeit "Ich kann nicht malen" zu wandeln in "Ich kann malen und darf das zu Papier bringen ganz auf meine eigene Art und Weise, was da fließen und entstehen möchte"


  • Die damit einhergehende Prägung aus der Schulzeit "Ich muss gehorchen, was andere mir sagen" wandeln in "Ich darf mir erlauben, zu dem zu stehen, was ich selbst, was mein Herz, wirklich möchte." Und eben diese Erkenntnis wirkt sich dann auf der jetzigen Alltagsebene natürlich in vielen anderen Bereichen auch aus. Hier wird deutlich wie förderlich es ist, immer mal wieder Kontakt zu dem inneren Kind zu bekommen und so Schritt für Schritt alte Prägungen zu erkennen, zu wandeln bzw. zu heilen und sich zu erlauben zu sich selbst zu stehen, sich das Leben so zu gestalten, wie das Herz es wirklich möchte, also den eigenen Weg zu gehen und damit auch die eigene Kreativität und das eigene Potential (die eigene innere KraftQuelle Selbst) zu erkennen, das in jedem von uns schlummert - auf unterschiedlichste Art und Weise. All' dies, was in der Kinderstube auf unterschiedlichste Weise unterdrückt und verschüttet wurde wartet im Erwachsenendasein darauf - ganz gleich welches Alter inzwischen auf dem Papier steht - entdeckt zu werden, um sich entfalten zu dürfen.
Ich wünsche Dir bei Deiner nächsten Begegnung mit Deinem inneren Kind, dass es Dir auch gelingt in der Beobachterrolle zu sein, Gefühle noch einmal heilend zu fühlen und die entsprechenden Prägungen zu wandeln.

Herzlichst
Irmgard Bronder
MentalPraxis KraftQuelle Selbst

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